1. Klimafitte Landwirtschaft – heute für morgen wirtschaften
Die Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Trockenperioden, Starkregen und zunehmende Wetterextreme erschweren die Bewirtschaftung und können Erträge beeinträchtigen. Gleichzeitig müssen landwirtschaftliche Betriebe wirtschaftlich erfolgreich bleiben und unsere Versorgung mit Lebensmitteln sichern.¹
Klimafitte Landwirtschaft bedeutet, die Bewirtschaftung an veränderte Klimabedingungen anzupassen und dabei die natürlichen Grundlagen der Landwirtschaft langfristig zu erhalten. Im Mittelpunkt stehen gesunde Böden, ein funktionierender Wasserhaushalt, widerstandsfähige Pflanzenbestände und eine nachhaltige Nutzung unserer Ressourcen.
Was ist regenerative Landwirtschaft?
Die regenerative Landwirtschaft geht einen Schritt weiter: Sie möchte die natürlichen Lebensgrundlagen nicht nur erhalten, sondern gezielt verbessern. Im Mittelpunkt steht dabei die Bodengesundheit.
Durch Maßnahmen wie vielfältige Fruchtfolgen, Zwischenfrüchte, schonende Bodenbearbeitung und eine angepasste Grünlandbewirtschaftung sollen das Bodenleben gefördert, die Bodenstruktur verbessert und natürliche Kreisläufe gestärkt werden. Ein gesunder Boden kann Regenwasser besser aufnehmen und speichern, Nährstoffe bereitstellen und Pflanzen auch unter schwierigen Wetterbedingungen versorgen.¹,²
Gut für Boden, Klima und Betrieb
Klimafitte und regenerative Bewirtschaftungsmethoden verfolgen mehrere Ziele:¹,²,³
Erträge absichern: Die Widerstandsfähigkeit gegenüber Trockenheit und Starkregen verbessern.
Böden schützen: Humus, Bodenleben und Bodenfruchtbarkeit fördern.
Wasser besser nutzen: Regenwasser im Boden und in der Landschaft zurückhalten.
Artenvielfalt stärken: Lebensräume für Pflanzen, Tiere und Bodenorganismen erhalten.
Wirtschaftlich bleiben: Ressourcen und Betriebsmittel möglichst effizient einsetzen und langfristig Kosten sparen.
Jeder Betrieb kann etwas beitragen
Regenerative Landwirtschaft ist kein starres Bewirtschaftungssystem und nicht auf Biobetriebe beschränkt. Viele ihrer Grundsätze werden bereits heute auf landwirtschaftlichen Betrieben umgesetzt.
Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt vom Standort, den Böden und der Betriebsführung ab. Es geht nicht darum, von heute auf morgen alles zu verändern, sondern die eigene Bewirtschaftung Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.¹
In den folgenden Kapiteln wird gezeigt, wie klimafitte Landwirtschaft in der Praxis funktionieren kann – mit konkreten Maßnahmen und Tipps für Ackerbau und Grünlandwirtschaft.
2. Landwirtschaft im Klimawandel – Herausforderungen und Chancen
Der Klimawandel ist in der Landwirtschaft bereits spürbar. Steigende Temperaturen, längere Trockenperioden und häufigere Wetterextreme stellen landwirtschaftliche Betriebe vor neue Herausforderungen. Auch in Oberösterreich müssen sich Landwirtinnen und Landwirte zunehmend auf wechselhafte Witterungsbedingungen einstellen.¹,⁴
Trockenheit und Starkregen – zwei große Herausforderungen
Längere Trockenperioden und hohe Temperaturen können das Wachstum von Kulturpflanzen beeinträchtigen. Besonders in wichtigen Wachstumsphasen kann Wassermangel zu Ertragseinbußen führen. Auch im Grünland können Trockenperioden das Futterwachstum verringern und die Futterversorgung erschweren.
Gleichzeitig können Starkregenereignisse große Schäden anrichten. Wenn der Boden das Regenwasser nicht schnell genug aufnehmen kann, fließt es oberflächlich ab und nimmt wertvolle Erde mit. Diese sogenannte Bodenerosion führt langfristig zum Verlust fruchtbarer Bodenschichten und wichtiger Nährstoffe.²
Gesunde Böden werden immer wichtiger
Wie gut landwirtschaftliche Flächen mit diesen Herausforderungen umgehen können, hängt wesentlich vom Zustand des Bodens ab.
Böden mit einer stabilen Struktur, ausreichend organischer Substanz und aktivem Bodenleben können Regenwasser besser aufnehmen und speichern. Verdichtete oder strukturschwache Böden lassen hingegen weniger Wasser versickern. Dadurch steigt das Risiko für Oberflächenabfluss und Erosion.²,⁴
Bodenschutz ist deshalb eine wichtige Maßnahme zur Anpassung an den Klimawandel.
Klimaanpassung als Chance für den Betrieb
Die Anpassung an den Klimawandel bietet auch Chancen, die Bewirtschaftung langfristig widerstandsfähiger und wirtschaftlicher zu gestalten.
Mit angepassten Bewirtschaftungsmethoden können landwirtschaftliche Betriebe:
die Wasserspeicherung und Bodenfruchtbarkeit verbessern,
Ertragsschwankungen durch Wetterextreme abmildern,
Nährstoffverluste und Bodenerosion reduzieren,
Betriebsmittel effizienter einsetzen und
die langfristige Produktivität ihrer Flächen sichern.
Dabei gibt es keine Lösung, die für jeden Betrieb gleichermaßen geeignet ist. Entscheidend sind die jeweiligen Boden- und Standortbedingungen sowie die betriebliche Ausrichtung. Die Kombination verschiedener Maßnahmen kann dazu beitragen, die Landwirtschaft besser auf zukünftige Herausforderungen vorzubereiten.¹,²
3. Gesunder Boden – die Grundlage für die Zukunft
Gesunde und fruchtbare Böden sind die wichtigste Grundlage für eine erfolgreiche Landwirtschaft. Sie versorgen Pflanzen mit Wasser und Nährstoffen, bieten Lebensraum für zahlreiche Organismen und speichern Kohlenstoff. Gerade angesichts zunehmender Wetterextreme gewinnt die Bodengesundheit immer mehr an Bedeutung.⁴
Humus und Bodenleben – ein wertvolles Zusammenspiel
Ein gesunder Boden ist voller Leben. Regenwürmer, Pilze, Bakterien und zahlreiche weitere Bodenorganismen zersetzen Pflanzenreste, setzen Nährstoffe frei und tragen zur Bildung einer stabilen Bodenstruktur bei.
Eine wichtige Rolle spielt dabei der Humus, also die organische Substanz im Boden. Er trägt zur Speicherung von Wasser und Nährstoffen bei und unterstützt die Bodenfruchtbarkeit. Gemeinsam mit einer guten Durchwurzelung und einem aktiven Bodenleben hilft eine stabile Bodenstruktur dabei, Regenwasser aufzunehmen und für Trockenperioden zu speichern.¹,⁴
Bodenfruchtbarkeit entsteht durch das Zusammenspiel von Humus, Bodenleben, Bodenstruktur und einer ausgewogenen Nährstoffversorgung.
Die fünf Grundprinzipien der regenerativen Landwirtschaft
Die regenerative Landwirtschaft setzt auf natürliche Prozesse, um die Bodengesundheit langfristig zu erhalten und zu verbessern. Dabei stehen fünf Grundprinzipien im Mittelpunkt:¹,²
Boden möglichst wenig stören: Eine schonende Bodenbearbeitung schützt die Bodenstruktur und fördert das Bodenleben.
Boden dauerhaft bedecken: Pflanzen und Ernterückstände schützen vor Austrocknung, Verschlämmung und Erosion.
Vielfalt fördern: Unterschiedliche Kulturen, vielfältige Fruchtfolgen und artenreiche Pflanzenbestände unterstützen die Bodenfruchtbarkeit.
Lebende Wurzeln im Boden erhalten: Möglichst ganzjährige Durchwurzelung versorgt das Bodenleben mit Nahrung und verbessert die Bodenstruktur.
Tiere und Nährstoffkreisläufe einbinden: Weidehaltung und die gezielte Nutzung organischer Dünger können dazu beitragen, Nährstoffkreisläufe zu schließen.
Diese Prinzipien ergänzen sich gegenseitig. Welche Maßnahmen sich daraus für den einzelnen Betrieb ergeben, hängt von den Standortbedingungen und der Bewirtschaftungsform ab.
Den eigenen Boden besser kennenlernen
Wer seine Böden verbessern möchte, sollte zunächst ihren Zustand kennen. Neben regelmäßigen Bodenuntersuchungen liefert bereits eine einfache Spatenprobe wertvolle Hinweise: Wie gut ist der Boden durchwurzelt? Sind Regenwürmer vorhanden? Gibt es verdichtete Schichten oder eine stabile, krümelige Bodenstruktur?¹
Die regelmäßige Beobachtung hilft dabei, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und die Wirkung verschiedener Bewirtschaftungsmaßnahmen über längere Zeit zu beurteilen.
4. Klimafitter Ackerbau – Maßnahmen für die Praxis
Gesunde Böden, eine gute Wasserversorgung und widerstandsfähige Pflanzenbestände sind entscheidend für eine erfolgreiche Landwirtschaft. Viele Maßnahmen der regenerativen Landwirtschaft setzen genau hier an: Sie fördern natürliche Prozesse, schützen wertvolle Ressourcen und können landwirtschaftliche Betriebe widerstandsfähiger gegenüber Wetterextremen machen.
Dabei gibt es keine Lösung, die für jeden Acker gleichermaßen geeignet ist. Entscheidend ist, die Maßnahmen an den Boden, das Klima und die betrieblichen Möglichkeiten anzupassen. Oft lassen sich bereits mit kleinen Veränderungen Verbesserungen erzielen.
4.1 Bodenleben und Humus fördern
Humus ist ein wichtiger Bestandteil fruchtbarer Böden. Er trägt dazu bei, Wasser und Nährstoffe zu speichern, und bietet gemeinsam mit Pflanzenwurzeln und organischem Material eine wichtige Grundlage für das Bodenleben.
Durch eine gezielte Humuswirtschaft können landwirtschaftliche Betriebe die Bodenfruchtbarkeit langfristig erhalten und verbessern. Dabei kommt es vor allem darauf an, dem Boden regelmäßig organisches Material zuzuführen und übermäßige Humusverluste zu vermeiden.¹
Tipps für die Praxis:
Ernterückstände und organisches Material möglichst auf der Fläche belassen.
Wirtschaftsdünger und geeigneten Kompost bedarfsgerecht einsetzen.
Zwischenfrüchte und vielfältige Fruchtfolgen zur Förderung der Humusbildung nutzen.
Den Humusgehalt regelmäßig durch Bodenuntersuchungen kontrollieren.
Humusaufbau ist ein langfristiger Prozess. Wie viel Humus tatsächlich aufgebaut werden kann, hängt unter anderem vom Standort, der Bodenart und der Bewirtschaftung ab.
4.2 Boden schonend bearbeiten
Jede Bodenbearbeitung greift in die Bodenstruktur und das Bodenleben ein. Eine reduzierte Bodenbearbeitung kann dazu beitragen, die natürliche Struktur des Bodens zu erhalten, Humusverluste zu begrenzen und die Anfälligkeit gegenüber Erosion zu verringern. Gleichzeitig können Arbeitszeit und Treibstoff eingespart werden.¹
Anstelle einer regelmäßigen wendenden Bodenbearbeitung können beispielsweise Grubber, Mulchsaat oder Direktsaatverfahren eingesetzt werden.
Tipps für die Praxis:
Bodenbearbeitung auf das notwendige Maß beschränken.
Möglichst nur bei geeigneter Bodenfeuchtigkeit bearbeiten und befahren.
Reifendruck und Maschinengewicht an die Bodenverhältnisse anpassen.
Reduzierte Bodenbearbeitung zunächst auf einzelnen Flächen ausprobieren.
Wichtig: Weniger Bodenbearbeitung ist nicht automatisch auf jedem Standort die beste Lösung. Besonders die Regulierung von Beikräutern, die Bodenerwärmung im Frühjahr und mögliche Probleme mit Schnecken oder Mäusen müssen berücksichtigt werden.²
4.3 Boden ganzjährig bedecken
Ein unbedeckter Ackerboden ist Wind, Regen und Sonneneinstrahlung unmittelbar ausgesetzt. Eine möglichst durchgehende Bodenbedeckung schützt vor Erosion, verringert die Verdunstung und versorgt das Bodenleben mit organischem Material.
Besonders wichtig sind dabei Zwischenfrüchte und Untersaaten. Sie halten den Boden zwischen oder während der Hauptkulturen begrünt, nehmen überschüssige Nährstoffe auf und fördern durch ihre Wurzeln die Bodenstruktur.¹
Tipps für die Praxis:
Zwischenfrüchte möglichst zeitnah nach der Ernte anbauen, sofern genügend Bodenfeuchtigkeit vorhanden ist.
Artenreiche Mischungen mit unterschiedlichen Wurzelsystemen verwenden.
Die Mischung auf die nachfolgende Hauptkultur und den Standort abstimmen.
Ernterückstände als schützende Mulchschicht nutzen.
Eine österreichische EIP-AGRI-Untersuchung zeigt, dass die Dauer der Begrünung, die Pflanzenmischung und das richtige Management entscheidend für die Wirkung sind. Grundsätzlich gilt: **Je länger der Boden sinnvoll begrünt bleibt, desto länger ist er geschützt.**⁵
4.4 Vielfältige Fruchtfolgen gestalten
Der wiederholte Anbau derselben Kultur kann die Ausbreitung bestimmter Krankheiten, Schädlinge und Beikräuter begünstigen. Vielfältige Fruchtfolgen helfen dabei, diese Risiken zu verringern und die Bodenfruchtbarkeit zu fördern.
Durch den Wechsel unterschiedlicher Kulturen gelangen verschiedene Wurzelsysteme und Ernterückstände in den Boden. Leguminosen wie Klee, Ackerbohnen oder Erbsen können zusätzlich Stickstoff aus der Luft binden und damit zur Nährstoffversorgung beitragen.¹
Tipps für die Praxis:
Zwischen Sommerungen und Winterungen wechseln.
Blatt- und Halmfrüchte sinnvoll kombinieren.
Leguminosen in die Fruchtfolge integrieren.
Zwischenfrüchte und Untersaaten zur Erweiterung der Pflanzenvielfalt nutzen.
Eine abwechslungsreiche Fruchtfolge trägt nicht nur zu gesünderen Böden bei, sondern kann auch die Abhängigkeit von einzelnen Kulturen und deren Ertragsrisiken verringern.
4.5 Wasser im Boden halten und Erosion vermeiden
Wasser wird für die Landwirtschaft zu einer immer wertvolleren Ressource. Entscheidend ist nicht nur, wie viel Regen fällt, sondern auch, wie viel davon in den Boden eindringen und dort gespeichert werden kann.
Eine stabile Bodenstruktur, gute Durchwurzelung und eine möglichst dauerhafte Bodenbedeckung helfen dabei, Niederschläge besser zu nutzen und den oberflächlichen Wasserabfluss zu verringern.
Besonders auf Hanglagen ist der Schutz vor Bodenerosion wichtig. Bei Starkregen kann ungeschützter Boden abgeschwemmt werden. Dadurch gehen wertvolle Bodensubstanz und Nährstoffe verloren.²
Tipps für die Praxis:
Hanglagen möglichst quer zum Gefälle bewirtschaften, soweit dies fachlich und betrieblich sinnvoll ist.
Begrünungen und Mulchsaat zum Schutz vor Erosion einsetzen.
Verdichtungen vermeiden, damit Regenwasser besser versickern kann.
Besonders erosionsgefährdete Bereiche durch begrünte Streifen schützen.
Ein österreichisches Forschungsprojekt zum Erosionsschutz im Kartoffelbau zeigte beispielsweise, dass begrünte Furchen und Querdämme den Bodenabtrag deutlich reduzieren können.⁵
4.6 Nährstoffe effizient nutzen
Eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung ist wichtig für gesunde Pflanzen und stabile Erträge. Gleichzeitig sollen Nährstoffverluste möglichst gering gehalten werden.
Regenerative Bewirtschaftung setzt verstärkt darauf, natürliche Nährstoffkreisläufe zu fördern. Organische Dünger, Zwischenfrüchte, Leguminosen und ein aktives Bodenleben spielen dabei eine wichtige Rolle.¹,⁵
Tipps für die Praxis:
Regelmäßig Bodenuntersuchungen durchführen und die Düngung am tatsächlichen Bedarf ausrichten.
Wirtschaftsdünger und organische Reststoffe möglichst effizient nutzen.
Zwischenfrüchte einsetzen, um vorhandene Nährstoffe aufzunehmen und vor Auswaschung zu schützen.
Nährstoffbedarf und Nährstofffreisetzung der Folgekultur berücksichtigen.
Eine ausgewogene Düngung kann dazu beitragen, Betriebsmittel effizient einzusetzen und gleichzeitig Böden und Gewässer zu schützen.
4.7 Agroforst – Bäume auf dem Acker
Agroforst verbindet landwirtschaftliche Kulturen mit Bäumen oder Sträuchern auf derselben Fläche. Beispielsweise können Baumreihen zwischen Getreide- oder anderen Ackerkulturen angelegt werden.
Die Gehölze bremsen den Wind, bieten Lebensraum für Tiere und können Bodenerosion verringern. Zusätzlich speichern sie Kohlenstoff und können das Mikroklima auf der Fläche verbessern. Je nach Baumart lassen sich außerdem Produkte wie Obst, Nüsse oder Holz gewinnen.⁶
Tipps für die Praxis:
Baumreihen so planen, dass die Flächen weiterhin gut mit landwirtschaftlichen Maschinen bewirtschaftet werden können.
Standortangepasste Baumarten auswählen.
Ausrichtung und Abstände der Baumreihen hinsichtlich Beschattung und Windschutz berücksichtigen.
Pflegeaufwand und langfristige Nutzung der Gehölze bereits vor der Pflanzung einplanen.
Wichtig: Agroforst ist eine langfristige Investition. Neben möglichen Vorteilen müssen Pflanzkosten, Pflegeaufwand und die Konkurrenz zwischen Bäumen und Ackerkulturen um Licht, Wasser und Nährstoffe berücksichtigt werden.
4.8 Keyline Design – Regenwasser in der Landschaft halten
Bei Starkregen fließt auf landwirtschaftlichen Hangflächen oft ein großer Teil des Wassers oberflächlich ab. Dabei kann wertvoller Boden abgeschwemmt werden, während das Wasser später in Trockenperioden fehlt.
Das sogenannte Keyline Design (Schlüsselliniengestaltung) ist ein Ansatz, um den Wasserabfluss auf landwirtschaftlichen Flächen gezielt zu beeinflussen. Dabei wird die Geländeform untersucht und die Bewirtschaftung beziehungsweise Landschaftsgestaltung an den natürlichen Wasserwegen ausgerichtet.
Durch angepasste Bearbeitungsrichtungen, begrünte Mulden oder Gehölzstreifen soll Regenwasser langsamer abfließen, besser versickern und länger in der Landschaft gehalten werden. Keyline-Systeme lassen sich auch mit Agroforst kombinieren.⁷
Tipps für die Praxis:
Beobachten, wo sich bei Starkregen Wasser sammelt und über die Fläche abfließt.
Besonders erosionsgefährdete Bereiche identifizieren.
Möglichkeiten für begrünte Abflusswege, Wasserrückhalt und Gehölzstreifen prüfen.
Größere Eingriffe in den Wasserabfluss nur mit fachkundiger Planung umsetzen.
Keyline Design ist ein vielversprechender Ansatz, dessen Wirksamkeit stark von den jeweiligen Standortbedingungen abhängt. In Österreich werden derzeit im Rahmen eines EIP-AGRI-Projekts praktische Erfahrungen gesammelt und die Auswirkungen auf Wasserrückhalt, Bodenerosion und Wirtschaftlichkeit untersucht.⁸
5. Klimafittes Grünland – Maßnahmen für die Praxis
Wiesen und Weiden sind eine wichtige Grundlage für die heimische Landwirtschaft. Sie liefern wertvolles Grundfutter, schützen den Boden vor Erosion und bieten Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Tiere.
Steigende Temperaturen, längere Trockenperioden und unregelmäßige Niederschläge stellen jedoch auch die Grünlandwirtschaft vor neue Herausforderungen. Eine standortangepasste Bewirtschaftung kann helfen, die Ertragsfähigkeit langfristig zu erhalten und Grünlandflächen widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel zu machen.⁵
5.1 Vielfältige und widerstandsfähige Pflanzenbestände fördern
Ein gesunder Grünlandbestand besteht aus verschiedenen Gräsern, Kräutern und Leguminosen wie Klee. Die Pflanzen unterscheiden sich in ihrer Wurzeltiefe, ihrem Nährstoffbedarf und ihrer Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Witterungsbedingungen.
Vielfältige, standortangepasste Pflanzenbestände können dazu beitragen, die Futterproduktion auch unter wechselnden Klimabedingungen abzusichern. Tiefwurzelnde Pflanzen können beispielsweise Wasser aus tieferen Bodenschichten erschließen.²,⁵
Tipps für die Praxis:
Pflanzenbestand regelmäßig auf Artenzusammensetzung, Lücken und unerwünschte Pflanzen kontrollieren.
Bei Bedarf standortangepasste Nachsaatmischungen verwenden.
Nutzungshäufigkeit und Düngung an den Pflanzenbestand anpassen.
Eine geschlossene Grasnarbe durch angepasste Bewirtschaftung erhalten.
Welche Gräser und Kräuter geeignet sind, hängt stark vom Standort, der Wasserversorgung und der geplanten Nutzung ab.
5.2 Grünland standortgerecht bewirtschaften
Nicht jede Wiese muss gleich häufig gemäht werden. Beim sogenannten abgestuften Wiesenbau werden die Grünlandflächen eines Betriebes unterschiedlich intensiv genutzt.
Ertragreiche und gut erreichbare Flächen werden häufiger gemäht und entsprechend ihrem Nährstoffbedarf gedüngt. Weniger ertragreiche oder weiter entfernte Flächen können extensiver bewirtschaftet werden.
Dadurch lassen sich die vorhandenen Wirtschaftsdünger gezielter einsetzen, unterschiedliche Futterqualitäten erzeugen und gleichzeitig artenreiche Wiesen erhalten.⁵
Tipps für die Praxis:
Nutzungshäufigkeit an Standort, Pflanzenbestand und Futterbedarf anpassen.
Gut versorgte, ertragreiche Wiesen gezielt für hochwertiges Grundfutter nutzen.
Weniger produktive Flächen auf eine extensivere Bewirtschaftung prüfen.
Düngung auf die tatsächliche Nutzung und den Nährstoffentzug abstimmen.
Ein oberösterreichisches EIP-AGRI-Projekt mit 13 Modellbetrieben zeigte, dass abgestufter Wiesenbau die Nutzung von Wirtschaftsdünger verbessern und Arbeitsspitzen entzerren kann. Auf intensiv bewirtschafteten Flächen konnten Futterqualität und Ertrag gesteigert werden. Die langfristigen Auswirkungen auf Pflanzenbestände und Artenvielfalt müssen jedoch weiter beobachtet werden.⁵
5.3 Boden und Wasserhaushalt schützen
Auch im Grünland spielt die Bodengesundheit eine entscheidende Rolle. Eine intakte Grasnarbe und ein gut durchwurzelter Boden schützen vor Erosion und unterstützen die Aufnahme von Regenwasser.
Besonders problematisch sind Bodenverdichtungen durch schwere Maschinen oder das Befahren und Beweiden bei zu hoher Bodenfeuchtigkeit. Sie können die Wasseraufnahme und das Wurzelwachstum beeinträchtigen.
Eine angepasste Bewirtschaftung trägt dazu bei, die natürliche Bodenstruktur zu erhalten und die Flächen langfristig produktiv zu halten.²
Tipps für die Praxis:
Befahren und Beweiden bei sehr nassen Bodenverhältnissen möglichst vermeiden.
Maschinengewicht und Reifendruck an die Bodenverhältnisse anpassen.
Schäden an der Grasnarbe frühzeitig erkennen und gezielt beheben.
Die Bodenstruktur regelmäßig mit einer Spatenprobe überprüfen.
5.4 Angepasstes Weidemanagement und Bäume auf Weiden
Eine gut geplante Beweidung kann das Pflanzenwachstum fördern und die Grasnarbe erhalten. Entscheidend sind die passende Besatzdichte, ausreichend Ruhezeiten für die Pflanzen und eine Anpassung an die jeweiligen Wachstumsbedingungen.
Bei einer gelenkten Weideführung werden die Tiere regelmäßig auf neue Teilflächen gebracht. Bereits beweidete Bereiche erhalten dadurch Zeit zur Regeneration. Das kann eine gleichmäßigere Nutzung des Futters unterstützen und bei geeigneter Umsetzung die Bodenfruchtbarkeit fördern.²
Tipps für die Praxis:
Weideflächen entsprechend dem Futterangebot und Pflanzenwachstum einteilen.
Ausreichende Ruhezeiten zwischen den Beweidungsgängen einplanen.
Überweidung und Trittschäden vermeiden.
Wasserversorgung und Schattenplätze für die Tiere berücksichtigen.
Auch Bäume und Sträucher können Weideflächen sinnvoll ergänzen. Solche Agroforstsysteme bieten Schatten für die Tiere, schaffen zusätzliche Lebensräume und können das Mikroklima verbessern. Bei der Planung müssen jedoch der Platzbedarf, die Pflege und der Schutz junger Bäume vor Verbiss berücksichtigt werden.¹,²
6. Klimafitte Landschaft – mehr Vielfalt, mehr Widerstandskraft
Eine klimafitte Landwirtschaft endet nicht am Feldrand. Auch Hecken, Bäume, Blühstreifen und andere Landschaftselemente spielen eine wichtige Rolle. Sie schaffen Lebensräume für Tiere und Pflanzen, können den Wind bremsen und helfen dabei, Böden und Wasser zu schützen.
Eine vielfältige Kulturlandschaft kann dadurch nicht nur die Artenvielfalt fördern, sondern auch die Landwirtschaft widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels machen.¹
Hecken und Gehölze – natürliche Helfer in der Landschaft
Hecken, Baumreihen und Feldgehölze erfüllen zahlreiche Funktionen. Sie bieten Lebensraum und Nahrung für Vögel, Insekten und andere Tiere. Gleichzeitig können sie die Windgeschwindigkeit verringern, den Boden vor Erosion schützen und das Mikroklima beeinflussen.¹,⁵
Besonders in größeren, offenen Ackerlandschaften können solche Strukturen eine wertvolle Ergänzung sein.
Tipps für die Praxis:
Bestehende Hecken, Feldgehölze und Einzelbäume erhalten und pflegen.
Neue Gehölzstreifen gezielt an geeigneten Feldrändern anlegen.
Möglichst standortgerechte, heimische Baum- und Straucharten verwenden.
Bei Neupflanzungen die Bewirtschaftbarkeit der angrenzenden Flächen berücksichtigen.
Auch Agroforstsysteme, bei denen Gehölze direkt mit Ackerbau oder Grünland kombiniert werden, können einen wichtigen Beitrag leisten. Weitere Informationen dazu finden sich in Kapitel 4.7.
Blühstreifen und Feldraine – Lebensraum für Nützlinge
Blühstreifen, artenreiche Feldraine und extensiv bewirtschaftete Randflächen bieten Nahrung und Rückzugsräume für zahlreiche Insekten. Besonders Wildbienen, Schwebfliegen und andere Nützlinge profitieren von einem vielfältigen Blütenangebot.
Diese Tiere spielen eine wichtige Rolle bei der Bestäubung und können als natürliche Gegenspieler von Schädlingen zur Regulierung von Schädlingspopulationen beitragen.⁵
Tipps für die Praxis:
Blühstreifen an geeigneten Feldrändern oder wenig produktiven Teilflächen anlegen.
Standortangepasste und möglichst vielfältige Saatgutmischungen verwenden.
Bestehende artenreiche Feldraine erhalten und schonend pflegen.
Blühzeiten und Pflege so gestalten, dass möglichst über längere Zeit Nahrung und Lebensraum vorhanden sind.
Ein oberösterreichisches EIP-AGRI-Projekt untersuchte die Wirkung von Nützlingsblühstreifen und Untersaaten im Ackerbohnenanbau. Dabei wurden mehr und vielfältigere Nützlinge nachgewiesen. Eine eindeutige Verringerung der Blattlauspopulationen konnte jedoch nicht festgestellt werden. Die zusätzlichen Kosten müssen daher bei der Planung berücksichtigt werden.⁵
Wasser in der Landschaft zurückhalten
Bei Starkregen kann Wasser auf landwirtschaftlichen Flächen rasch oberflächlich abfließen. Besonders auf Hanglagen können dadurch Bodenerosion und Schäden an angrenzenden Flächen entstehen.
Eine vielfältig strukturierte Landschaft mit bewachsenen Böden, Gehölzstreifen und begrünten Abflusswegen kann dazu beitragen, den Wasserabfluss zu verlangsamen und die Versickerung zu unterstützen.¹,²
Tipps für die Praxis:
Natürliche Wasserabflusswege und besonders erosionsgefährdete Bereiche erkennen.
Begrünte Abflusswege und Randstreifen erhalten oder gezielt anlegen.
Möglichkeiten für einen verbesserten Wasserrückhalt gemeinsam mit benachbarten Betrieben prüfen.
Bei größeren Maßnahmen zur Wasserführung fachkundige Beratung einholen.
Ansätze wie das Keyline Design versuchen, die Wasserverteilung und den Wasserrückhalt gezielt durch die Gestaltung landwirtschaftlicher Flächen zu verbessern. Mehr dazu in Kapitel 4.8.
Gemeinsam die Landschaft gestalten
Viele Maßnahmen wirken besonders dann, wenn sie über einzelne Grundstücksgrenzen hinaus geplant werden. Die Zusammenarbeit zwischen landwirtschaftlichen Betrieben, Gemeinden und anderen Grundeigentümer kann helfen, Lebensräume besser zu vernetzen und den Wasserrückhalt in der Landschaft gemeinsam zu verbessern.
Eine klimafitte Kulturlandschaft verbindet produktive Landwirtschaft mit gesunden Böden, vielfältigen Lebensräumen und einem nachhaltigen Umgang mit Wasser.
7. Schritt für Schritt zum klimafitten Betrieb
Der Weg zu einer klimafitten Landwirtschaft beginnt nicht mit einer vollständigen Umstellung des Betriebes. Viele Maßnahmen lassen sich schrittweise in die bestehende Bewirtschaftung integrieren – unabhängig davon, ob ein Betrieb konventionell oder biologisch wirtschaftet.
Entscheidend ist, die eigenen Flächen gut zu kennen, passende Maßnahmen auszuwählen und deren Wirkung über längere Zeit zu beobachten, denn regenerative Landwirtschaft ist ein kontinuierlicher Lern- und Entwicklungsprozess.¹
Den eigenen Betrieb kennenlernen
Am Anfang steht die Frage: Wo liegen die größten Herausforderungen auf meinem Betrieb?
Sind einzelne Flächen besonders von Trockenheit betroffen? Gibt es Probleme mit Bodenerosion, Verdichtungen oder der Nährstoffversorgung? Wie entwickeln sich die Pflanzenbestände und Erträge?
Regelmäßige Bodenuntersuchungen und einfache Spatenproben helfen dabei, den Zustand der Böden besser einzuschätzen. Auch die Beobachtung nach Starkregen oder während Trockenperioden liefert wertvolle Hinweise.¹
Tipps für die Praxis:
Problemstellen auf den eigenen Flächen identifizieren.
Bodenstruktur, Durchwurzelung und Bodenleben mit einer Spatenprobe beurteilen.
Vorhandene Bodenuntersuchungen und Aufzeichnungen nutzen.
Überlegen, welche Verbesserungen für den Betrieb besonders wichtig wären.
Klein anfangen und Erfahrungen sammeln
Nicht jede Maßnahme eignet sich für jeden Standort. Deshalb ist es sinnvoll, neue Bewirtschaftungsmethoden zunächst auf einer kleineren Fläche auszuprobieren.
Ein möglicher Einstieg ist beispielsweise eine neue Zwischenfruchtmischung, eine angepasste Fruchtfolge oder eine schonendere Bodenbearbeitung. Im Grünland können eine standortangepasste Nachsaat oder veränderte Schnittzeitpunkte erste Schritte sein.
Die Kombination verschiedener Maßnahmen kann langfristig besonders wirksam sein. Welche Ansätze gut funktionieren, hängt jedoch von den jeweiligen Standort- und Betriebsbedingungen ab.²
Tipps für die Praxis:
Mit einer überschaubaren Maßnahme beginnen.
Wenn möglich, eine vergleichbare Fläche ohne Veränderung als Vergleich nutzen.
Erfahrungen über mehrere Vegetationsperioden sammeln.
Erfolgreiche Maßnahmen schrittweise auf weitere Flächen übertragen.
Veränderungen beobachten und bewerten
Verbesserungen der Bodenfruchtbarkeit brauchen Zeit. Deshalb sollten Maßnahmen nicht nur anhand der Erträge eines einzelnen Jahres beurteilt werden.
Neben regelmäßigen Bodenuntersuchungen können die Bodenstruktur, das Auftreten von Erosion, die Durchwurzelung und die Entwicklung der Pflanzenbestände wichtige Hinweise liefern.¹,²
Auch die Wirtschaftlichkeit sollte berücksichtigt werden: Welche Kosten entstehen durch Saatgut, Maschinen oder zusätzliche Arbeitszeit? Können im Gegenzug Betriebsmittel eingespart oder Arbeitsabläufe verbessert werden?
Nicht jede regenerative Maßnahme bringt automatisch wirtschaftliche Vorteile. Insbesondere größere Umstellungen können zusätzliche Investitionen und eine längere Anpassungsphase erfordern.²
Wissen teilen und Unterstützung nutzen
Der Austausch mit anderen Landwirtinnen und Landwirten ist eine wichtige Möglichkeit, neue Bewirtschaftungsmethoden kennenzulernen. Praxisversuche, Feldtage und Beratungsangebote helfen dabei, Erfahrungen zu sammeln und mögliche Fehler zu vermeiden.
Auch österreichische Forschungs- und Praxisprojekte zeigen, wie unterschiedliche Ansätze unter heimischen Bedingungen umgesetzt werden können. Die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Beratung und Forschung spielt dabei eine wichtige Rolle.²,⁵
Klimafitte Landwirtschaft bedeutet nicht, alles anders zu machen, sondern Bewährtes weiterzuentwickeln und neue Möglichkeiten zu nutzen. Jeder Betrieb kann dazu beitragen, unsere Böden langfristig fruchtbar und die Landwirtschaft widerstandsfähig zu halten.
8. Beratung, Förderungen und weiterführende Informationen
Wer den eigenen Betrieb klimafitter gestalten möchte, muss nicht bei null anfangen. In Österreich gibt es zahlreiche Beratungsangebote, Forschungsprojekte und Praxisleitfäden, die bei der Umsetzung unterstützen.
Hier finden Landwirtinnen und Landwirte hilfreiche Anlaufstellen und weiterführende Informationen zu Bodengesundheit, regenerativer Bewirtschaftung und Klimaanpassung.
Beratung und Unterstützung
Boden.Wasser.Schutz.Beratung – Landwirtschaftskammer Oberösterreich
Die Boden.Wasser.Schutz.Beratung unterstützt landwirtschaftliche Betriebe bei Fragen zu Bodengesundheit, Humusaufbau, Zwischenfrüchten, Erosionsschutz und Nährstoffmanagement. Neben der Beratung werden auch Informationsveranstaltungen, Feldtage und Arbeitskreise angeboten.⁹
Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) Österreich
Das FiBL beschäftigt sich mit nachhaltigen Bewirtschaftungsmethoden und bietet zahlreiche Praxisunterlagen, Forschungsberichte und Informationen zu Themen wie Bodenfruchtbarkeit, Grünlandwirtschaft und Agroforst.
Die Forschungseinrichtung beschäftigt sich unter anderem mit Bodenfruchtbarkeit, Begrünungen und nachhaltigem Pflanzenbau. Forschungsergebnisse werden in praxisorientierten Publikationen und Veranstaltungen aufbereitet.
Praktische Leitfäden und Online-Werkzeuge
Wer sich genauer mit einzelnen Maßnahmen beschäftigen möchte, findet hier hilfreiche Unterlagen:
Zwischenfruchtanbau – Fachinformationen und Begrünungsrechner: Praxisunterlagen der Boden.Wasser.Schutz.Beratung mit Informationen zu Zwischenfruchtmischungen, Anbau und Kosten.
Agroforst – Von der Idee bis zur Umsetzung: Praxisleitfaden des FiBL Österreich zur Planung und Umsetzung von Agroforstsystemen.
Abgestufte Wiesenbewirtschaftung: Handbuch mit praktischen Empfehlungen für eine standortangepasste Grünlandbewirtschaftung.
Digitale Bodenkarte eBOD: Kostenloses Online-Werkzeug mit Informationen zu österreichischen Böden, beispielsweise zu Bodentyp, Wasserverhältnissen und Erosionsgefährdung.
Klimafitte Landwirtschaft LFI: Maßnahmenbersicht zu den Bereichen Ackerbau, Grünland und Tierhaltung, Klimatool und Ressourcen-Onlinecheck
Fördermöglichkeiten für klimafitte Landwirtschaft
Verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Bodengesundheit, zum Erosionsschutz und zur Förderung der Artenvielfalt können im Rahmen des Österreichischen Agrarumweltprogramms (ÖPUL) unterstützt werden.¹⁰,¹¹
Dazu zählen beispielsweise:
Begrünung von Ackerflächen durch Zwischenfruchtanbau oder das System Immergrün
Erosionsschutz im Ackerbau
Nichtproduktive Ackerflächen und Agroforststreifen
Humuserhalt und Bodenschutz auf umbruchsfähigem Grünland
Umweltgerechte und biodiversitätsfördernde Bewirtschaftung
Welche Förderungen für einen Betrieb infrage kommen, hängt von den jeweiligen Teilnahmebedingungen und bestehenden Verpflichtungen ab. Vor der Umsetzung empfiehlt sich daher eine Beratung bei der Landwirtschaftskammer.
Aktuelle ÖPUL-Fördermaßnahmen und Merkblätter der AMA
Forschungsprojekte und Erfahrungsaustausch
Viele innovative Bewirtschaftungsmethoden werden bereits auf österreichischen Praxisbetrieben erprobt. Im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft EIP-AGRI arbeiten landwirtschaftliche Betriebe, Forschungseinrichtungen und Beratungsstellen gemeinsam an praxistauglichen Lösungen.
Besonders interessant sind Projekte zum Zwischenfruchtanbau, zum Erosionsschutz, zu Agroforstsystemen und zur abgestuften Grünlandbewirtschaftung.⁵
Auch das Keyline Design wird derzeit in einem österreichischen Forschungsprojekt untersucht, um Erkenntnisse über Wasserrückhalt und Erosionsschutz unter heimischen Bedingungen zu gewinnen.
Weiterführende Informationen:
9. Quellen und weiterführende Literatur
[1] Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) (2024): Regenerative Landwirtschaft – eine Einordnung. DLG-kompakt 2/2024, 6 Seiten.
[2] EU CAP Network (2024): Focus Group – Regenerative Agriculture for Soil Health. Final Report. Europäische Kommission, September 2024.
[3] Boston Consulting Group (BCG) & Naturschutzbund Deutschland (NABU) (2023): Der Weg zu regenerativer Landwirtschaft in Deutschland – und darüber hinaus. März 2023, 80 Seiten.
[4] Forum Umweltbildung / Umweltdachverband (2022): Die Zukunft unseres Bodens – Boden schützen und nachhaltig nützen. Didaktische Materialien zum quantitativen Bodenschutz. Wien, Oktober 2022.
[5] Netzwerk Zukunftsraum Land (2022): Europäische Innovationspartnerschaft für landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit – Überblick über die österreichischen Operationellen Gruppen. Status November 2022.
Quelle: Projektunterlage „Praxisblatt-Broschüre_Neu 2022_DE_final_DEZ.pdf“.
[6] Markut, T., Meindl, P. & Kummer, S. (2022): Agroforst – Von der Idee bis zur Umsetzung. Eine erste Orientierung. Herausgegeben von der Operationellen Gruppe „Agroforst in Österreich“, FiBL Österreich, 23 Seiten.
[7] Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (2025): Keyline Design in Deutschland: Erfolgreiche Praxisbeispiele und Herausforderungen bei der Umsetzung. Fachinformation Pflanzenbau, 18. März 2025.
[8] Netzwerk Zukunftsraum Land (2026): Keyline-Design in der Praxis: Landwirtschaft als Partner für Hochwasserschutz, Klimawandelanpassung und Biodiversität. Österreichisches EIP-AGRI-Projekt, Laufzeit 2026–2029.
[9] Landwirtschaftskammer Oberösterreich (o. J.): Boden- und Wasserschutz. Beratungsangebot der Boden.Wasser.Schutz.Beratung.
[10] Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) (o. J.): Agrarumweltprogramm ÖPUL 2023. Informationen zum österreichischen Agrarumweltprogramm und den Fördermaßnahmen.
[11] Agrarmarkt Austria (AMA) (o. J.): ÖPUL 2023 – Merkblätter zu allen Fördermaßnahmen. Teilnahmebedingungen und Maßnahmeninformationen.
Stand der Online-Recherche: Oktober 2026.





